MOUNTAINBIKE KURVENTECHNIK

Kurven sind schön, nicht nur bei einer Frau. Der Mountainbikesport lebt von Kurven, den Anliegern, den Hindernissen. Doch das oftmals Banale birgt manchmal einen Hemmschuh für den Fortschritt der eigenen Technik. Speziell im Bikepark oder in Bikeregionen wie Saalbach Hinterglemm lassen die Shaper ihrer Fantasie freien Lauf und zaubern die lässigsten Kurven in die Freeride Trails. Turns mit und ohne Wurzeln, massive Wallrides oder Kurven mit angrenzendem Sprung. Könner werden bei diesen Zeilen schon ungeduldig mit den Füßen scharren, Anfänger können solche Passagen jedoch verschrecken. Vor allem bei steigender Geschwindigkeit traut man den Fliehkräften nicht mehr über dem Weg. Und diese Zentrifugalkraft will kontrolliert werden. Schließlich gibt es zahrleiche Hilfsmittel, um im gewünschten Kurvenradius zu verbleiben und die Trails von Saalbach weiter zu bolzen.

VERSCHIEDENE KURVEN – VERSCHIEDENE TECHNIKEN

Zum Glück meinten es die Natur und die Trail-Shaper gut mit uns, und versorgen die Mountainbiker im Bike-Circus Saalbach mit den verschiedensten Kurven-Varianten. Jede einzelne dieser Richtungsänderungen benötigt eine eigene Technik, da Geschwindigkeit, Untergrund, Steilheit etc. die Fahrweise maßgeblich beeinflussen.

offene Kurven:
darunter versteht man Kurven ohne unterstützende Erhöhungen am Außenradius.

Anlieger- oder Steilkurve:
Unterstützung der Kurvenfahrt durch teils künstliche Erhebungen. Hier kann man mit höheren Geschwindigkeiten einfahren, da das Bike länger im idealen Winkel zum Boden verbleibt.

Spitzkehre:
Spitzkehren verlangen eine gute Technik und angepasste Geschwindigkeiten, da man hier Richtungswechsel von nahezu 180° fährt. In solchen Spitzkehren gibt es auch die Möglichkeit, das Hinterrad zu versetzen, wobei diese Technik eine gewisse Bike Beherrschung benötigt.

Spezielle Techniken, wie das andriften von Kurven oder den Scandinavian Flick, sollte man lieber im Park machen, da man hier ordentlich Spuren hinterlässt.

Scandinavian Flick: Eine Drift Technik, in der man zuerst in die “falsche” Richtung driftet bevor man in die gewünschte Kurve driftet. Diese Technik kommt eigentlich aus dem Motorsport und sieht sehr spektakulär aus.

#0 DIE AUSGANGSPOSITION

First of all kümmern wir uns um die Ausgangsposition des Bikers. Der Sportler steht mittig positioniert am Fahrrad, die Arme leicht gebeugt, Pedal Position waagrecht und die Pedale unter dem Ballen. Die leicht abgewinkelten Arme helfen bei der Kontrolle und der Dämpfung, ein Finger liegt auf der Bremse – moderne hydraulische Bremssysteme benötigen nicht mehr Kraft. Die Knie in einer leicht dämpfenden, eher gestreckten Position. Je nach Steilheit der Kurve verlagert man nun den Schwerpunkt nach hinten. Das erreicht man in dem man den Po leicht über den Sattel nach hinten schiebt. Jedoch sollte immer genügend Druck auf dem Vorderreifen liegen, sonst leidet die Traktion in der Kurve darunter. Meist findet man eine optimale Position, in dem man in einem Flachstück auf dem Bike hüpft und springt – somit lernt man das Bike zu “fühlen”. Dies ist zu 90% die ideale Ausgangsposition.

#1 VOR DER KURVE

Die Blickführung ist wie bei allen Kurventechniken das Wichtigste. Die Ideallinie weit in der Kurve voraus anvisieren und den Körper auf diese Linie ausrichten. Somit kann man auch unvorhergesehene Hindernisse frühzeitig erkennen.

Tipp: Man fährt dahin, wo man hinblickt!

Außerdem soll man unbedingt vor der Kurve die Geschwindigkeit anpassen, da ein bremsender Reifen in der Kurve weniger Traktion verursacht. Am besten man bremst vor der Kurve ein bisschen mehr und löst dafür in der Kurve die Bremsen komplett.

© sportalpen

#2 WÄHREND DER KURVE

Die Hüfte von Daniel folgt der Blickrichtung und verursacht eine leichte, angepasste Körperrotation. In diesem Zuge ist nun auch die Pedalstellung entscheidend. Das kurveninnere Bein ist nach oben ausgerichtet, das kurvenäußere Bein gestreckt. Somit verlagert sich der Körperschwerpunkt und resultiert in einem sicheren Stand. Mit der Hüftdrehung richten sich Lenker, Oberkörper und eben die Hüfte zur Kurve aus.

© Sportalpen

Daniel in einer offenen Kurve

In der Kurve kommt es zu einer Absenkung des Körpers. Man beugt die Arme, kann dadurch mehr Druck auf das Vorderrad geben und senkt somit den eigenen Körperschwerpunkt. Wichtig ist hier zu vermeiden, dass man sich in dieser Situation zu weit nach hinten lehnt. Das Vorderrad benötigt Traktion, um kontrolliert durch eine Kurve manövriert zu werden. In der folgenden Sequenz sieht man das Kurvenverhalten in einer doppelten Steilkurve.

© sportalpen

DIE SCHRÄGLAGE DES BIKES

In Kurven arbeitet man sehr viel mit der Schräglage des Mountainbikes. Der Grund dafür liegt darin, dass man bei einem schräg liegenden Bike viel weniger Lenkeinschlag benötigt um denselben Radius zu folgen. In einer Steilkurve bleibt man eher “über” dem Bike, wie man in der Bildserie sieht. Die Schräglage wird vom Untergrund, dem Radius, der Neigung der Steilkurve etc. beeinflusst.

#3 NACH DER KURVE

Langsam – der Geschwindigkeit bzw. den Fliehkräften angepasst – richtet man sich wieder auf, nimmt die oben beschriebene Ausgangsposition ein und ist somit ready für die nächste Kurve. Bei einer doppelten Steilkurve wie in der Bildserie visiert man bereits die Ideallinie der zweiten Kurve an.

kurventechnik-3


BIKECAMP MIT DANIEL KRAUT

Wem das alles ein bisschen zu komplex klingt, dem sei ein Training mit einem Profi ans Herz gelegt. Daniel Kraut ist so ein Profi. Gestählt durch die Jahre als Cross Country Biker und mit Erfahrungen aus seinen Teilnahmen bei Downhill Weltcup Rennen lehrt er bei seinen Camps die optimale Technik. Schauplatz des diesjährigen Camps war wieder das bike’n soul Hotel Barbarahof***S in Saalbach. Ob Kurventechnik, Bremstechnik oder die Lösung von technischen Problemchen am Bike – ein vielseitiges Bikecamp mit angepasstem Techniktrainings und Videoanalysen für vielseitige Individualisten.

 

Bilder: © sportalpen

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